16. September 2016

Schulisches Lernfeld ‚Gesellschaft‘ stärken, Interdisziplinarität erhalten

Dem schulischen Unterricht in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Politik, Geschichte und Geographie kommt eine wichtige Bedeutung in der Vermittlung politischer und sozialer Zusammenhänge zu. Die jeweils einzelnen Fachdisziplinen liefern dabei oft verschiedene Perspektiven auf den gleichen Gegenstand und ergänzen sich so zu einem Gesamtbild. Es ist daher sinnvoll und richtig, in der Sekundarstufe I vom klassischen Fachunterricht abzuweichen und diese drei Fächer in einem interdisziplinär ausgerichteten gemeinsamen Angebot zu vereinen.

In der Praxis haben sich jedoch massive Probleme im Verbundunterricht „‘Gesellschaft und Politik‘ (GuP) in Bremen beziehungsweise ‚Geschichte/Geographie/Politik‘ (GGP) in Bremerhaven ergeben. Diese Schwierigkeiten sind aber nicht der Interdisziplinarität des Unterrichts geschuldet, sondern dem generellen Umgang mit diesem Fach. So wird es oft von Lehrkräften erteilt, die in keinem der drei Fächer ausgebildet sind. Durch eine immer stärkere Ausrichtung der Schulen auf die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen sind die ästhetischen und gesellschaftlichen Lernbereiche an den Rand gedrängt worden. Die Stundentafeln wurden zu ihren Ungunsten verändert, Unterrichtsausfall in diesen Lernbereichen wird eher hingenommen und gerade die Stunden in GuP/GGP werden für andere Aktivitäten wie Klassenstunden verwendet.

Eine Stärkung des gesellschaftlichen Lernfelds ist daher dringend geboten und muss gerade im Hinblick auf den zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft schnell erfolgen.

Die Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf,

1.    sicherzustellen, dass der Unterricht in ‚Gesellschaft und Politik‘ (GuP, Stadtgemeinde Bremen) bzw. in ‚Geschichte/Geographie/Politik‘ (GGP, Stadtgemeinde Bremerhaven) nur von ausgebildeten Lehrkräften in den Fächern Politik, Geschichte oder Geographie erteilt wird.

2.    bei Unterrichtsausfall in GuP/GGP besonders darauf zu achten, dass die Vertretungen durch Fachlehrkräfte übernommen werden.

3.    die Stundentafeln in der Sekundarstufe I mit dem Ziel zu überprüfen, den Lernbereich GuP/GGP zu stärken und die Anzahl an erteilten Stunden in GuP/GGP zu erhöhen.

4.    das „Zentrum für die Didaktiken der Sozialwissenschaften“ an der Universität Bremen weiter auszubauen und so dauerhaft die hohe Qualität der Lehramtsausbildung in den Sozialwissenschaften zu erhalten.

Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE.