20. Februar 2019

Die Zeit ist um – Bremen muss von Schaffermahl und Eiswette Abstand gewinnen

Das Bremer Schaffermahl ist von einem überregionalen Aushängeschild zu einem Imageproblem für Bremen und Bremerhaven geworden. Der anhaltende Frauenausschluss ist die wesentliche Eigenschaft, die am Schaffermahl heute berichtenswert ist. Die Artikel der überregionalen Berichterstattung tragen üblicherweise Titel wie „Reine Männersache“ (Berliner Zeitung, 13.2.2009) oder „Unter Männern“ (taz, 14.1.2011). Sie berichten von einer „weltfremden Veranstaltung“ (Berliner Zeitung, 14.2.2016) für „alles, was in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur etwas zu sagen hat und über XY-Chromosomen verfügt“ (Stuttgarter Zeitung, 12.7.2014). Die Veranstaltung gilt vor allem als Ausdruck sturer Realitätsverweigerung: „Veränderungen mag man nicht“ (Brand Eins 2014). Der Berliner Tagesspiegel handelte Schaffermahl und Eiswette jüngst in einem Artikel zusammen mit dem Memminger Fischermahl ab, unter dem Titel „In Memmingen wird gestritten, ob Frauen Fische fangen können“ (Tagesspiegel, 16.2.2019). Die taz schlug den Bogen von Schaffermahl und Eiswette zu „allen archaischen Männergruppen von der Poro-Gesellschaft in Liberia bis zu den Ngaing auf Papua-Neuguinea“, allesamt Männerbünde, „deren Entstehung als Ausdruck von Gebärneid interpretiert wird.“ (taz 18.1.2019)

Eine solche Imagewirkung kann sich das Land Bremen nicht leisten. Da das Schaffermahl im Rathaus abgehalten wird, wird es nicht als private Veranstaltung wahrgenommen, sondern als eine offizielle Veranstaltung des Landes Bremen und als eine Selbstdarstellung des Stadtstaates. Die rückwärtsgewandte, diskriminierende Ausrichtung des Schaffermahls fällt daher auf Bremen und Bremerhaven unmittelbar zurück.

2013 hatte die Bürgerschaft mit dem Beschluss „Bremer Traditionsveranstaltungen nicht mehr ohne Frauen!“ erklärt: „Bremer Traditionsveranstaltungen (…) müssen auch bremische Werte von Gleichberechtigung, Modernität und Weltoffenheit repräsentieren. Die Bremische Bürgerschaft erwartet daher von den Veranstaltern bremischer Traditionsfeiern, ihre Einladungspraxis zukünftig zu ändern und gleichermaßen Männer wie Frauen willkommen zu heißen (…)“

Sechs Jahre später ist klar, dass eine solche Änderung der Einladungspraxis vom Haus Seefahrt nicht zu erwarten ist. Selbst eine Öffnung der Mitgliedschaft für Frauen als kaufmännische Mitglieder würde nicht mehr viel ändern. Die tief eingefahrene, patriarchale Grundhaltung des Vereins, dem man bekanntlich nicht einfach beitreten kann, dürfte es nahezu unmöglich machen, innerhalb absehbarer Zeit den Charakter des Männervereins und der Männerveranstaltung aufzulösen.

Ähnlich aussichtslos steht es um das Stiftungsfest der Eiswette. Die Weigerung des Eiswettvereins, die Bürgermeisterin Karoline Linnert als Vertreterin des Bremer Senats zu akzeptieren, weil sie eine Frau ist, nochmals klargemacht, von welcher Haltung die Veranstaltung getragen ist. Damit hat Bremen es bis in die Berichterstattung des „stern“ geschafft ("‘Machen Gendergaga nicht mit‘: Bürgermeisterin darf nicht zu Festmahl, weil sie eine Frau ist“, 21.1.2019).

Auch hier ist der frauenverachtende Charakter der Veranstaltung mittelfristig nicht zu heilen. Die Ausgrenzung der Bürgermeisterin ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinsichtlich der Ausgrenzung von Frauen verhält sich das Eiswettfest noch konsequenter vorgestrig, als das Schaffermahl. Die Äußerungen des derzeitigen Präsidenten des Eiswettsvereins Patrick Wendisch: „Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre“, haben das Eiswettfest endgültig ins Aus gestellt.

Bremen und Bremerhaven müssen sich daher davor schützen, weiterhin bruchlos mit dem Schaffermahl und der Eiswette identifiziert zu werden. Bremen, und zuallererst der Senat, müssen vom Schaffermahl und von der Eiswette Abstand gewinnen.

Die Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

  1. Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf, an den privaten Veranstaltungen Schaffermahl und Eiswettfest bis auf Weiteres nicht mehr teilzunehmen.
  2. Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf, dem Haus Seefahrt mitzuteilen, dass eine Abhaltung des Schaffermahls im Rathaus unter den gegebenen Umständen als nicht mehr als zeitgemäß angesehen wird.

Claudia Bernhard, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE