5. November 2014

Standortdebatte Weserburg

Seit längerem wird über einen Zwangsumzug des Museums Weserburg bzw. über eine Zusammenlegung mit der Bremer Kunsthalle debattiert. Der Stiftungsratsvorsitzende der Weserburg, Dr. Klaus Sondergeld und der damalige Vorsitzende des Kunstvereins, Georg Abegg, haben singulär bereits im Sommer 2014 eine Absichtserklärung für eine engere Zusammenarbeit beider Häuser unterzeichnet und der Kulturbehörde übergeben. Im Rahmen einer architektonischen Machbarkeitsstudie, die mittlerweile vorliegt, soll geklärt werden, ob der räumliche Bedarf vom Museum Weserburg und der anderen in der Weserburg verorteten Kultureinrichtungen, Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) und das Studienzentrum für Künstlerpublikationen in einem geplanten Neubau in den Wallanlagen finanziell und räumlich angemessen zu realisieren ist. Am 9. Dezember 2014 wird nach jetzigem Stand die Deputation für Kultur über einen Umzug des Museums Weserburg weiter beraten. 

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1.    Verliert Bremen nicht an Attraktivität, sofern ein historisch gewachsenes Ensemble   für Gegenwartskunst  aus Museum Weserburg, GAK und Studienzentrum für Künstlerpublikationen auf dem Teerhof auseinander gerissen wird und ist die von Bürgermeister Jens Böhrnsen für Bremen vielgelobte „kulturelle Vielfalt“ durch den Zwangsumzug der Weserburg nicht gefährdet? 

2.    Warum wir die Machbarkeitsstudie für den Zwangsumzug weiter verfolgt, obwohl bereits feststeht, dass der von den zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern bezifferte Raumbedarf bei 5.000 qm liegt, die baulichen Möglichkeiten in den Wallanlagen aber bei 3.000 qm aufhören?

3.    Ist vor diesem Hintergrund die Idee, die drei Institute (Weserburg Museum für moderne Kunst, Studienzentrum für Künstlerpublikationen, Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) in den Wallanlagen unterzubringen, nicht bereits gescheitert?

4.    Sind die Synergien zwischen Museum, Studienzentrum, GAK und auch dem Künstlerhaus in einer anderen räumlichen Konstellation möglich?

5.    Neun Millionen Euro werden für den Neubau veranschlagt. Wie setzt sich die Summe zusammen?

6.    Sind bei den Planungen für den Neubau in den Wallanlagen die Kosten für einen Architektenwettbewerb und die Kosten für den Architekten bereits berücksichtigt?

7.    Der Vertrag von Carsten Ahrens wurde von Klaus Sondergeld verlängert, dann plötzlich gab es eine „Aufhebung“. Steht Carsten Ahrens noch heute auf der Gehaltsliste der Weserburg und wer trägt tatsächlich die Kosten und die politische Verantwortung für diese Personalie?

8.    Warum wird die Stelle des Direktors als ein Zeichen für die künstlerische Selbständigkeit des Museums Weserburg nicht ausgeschrieben?

9.    Klaus Sondergeld ist in der Geschäftsführung von WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, Leiter von Bremen Marketing, SPD-Mitglied und Stiftungsratsvorsitzender des Museums Weserburg. Kann bei einer solchen Ämterhäufung Klaus Sondergeld als unabhängige Auskunftsperson für das Kulturressort fungieren?

10.  Warum verordnet man Museum und Kunsthalle ein „Pooling“ also eine Zentralisierung einzelner Einrichtungen (Presse, Restaurierung, etc.), wenn dies bei Versuchen zwischen Überseemuseum und Focke-Museum bereits erprobt und gescheitert ist?

11.  Das Museum Weserburg hat ein voraussichtliches Minus von 200.000 Euro im Jahr. Die Kunsthalle hat pro Jahr ein Minus von 500.000 Euro. Kann sie überhaupt als sanierender Kooperationspartner in Frage kommen?

12.  Das Museum Weserburg soll über einen Umbaufonds von sechs Millionen Euro verfügen, resultierend aus Erlösen von Bilderverkäufen. Wie viel Geld ist aus dem Verkauf der Gemälde von Gerhard Richter und Franz Gertsch oder der Roselius-Sammlung für einen Umbau oder Neubau noch übrig, zumal die Gehälter vom früheren Direktor Carsten Ahrens und vom neuen externen Berater Helmut Friedl auch daraus finanziert werden?

 Peter Erlanson, Kristina Vogt und die Fraktion DIE LINKE