14. Juni 2012

Klebsiellen-Kontamination im KBM durch verkeimte Dosieranlage

Auf einer Pressekonferenz am 8.06.2012, zu der die Fraktionen und die Mitglieder des Untersuchungsausschusses „Krankenhaus-Keime“ keine Einladung erhielten, informierte Prof. Exner darüber dass im Frischwasserschlauch einer Dosieranlage für Desinfektionsmittel ESBl-Klebsiellen gefunden wurden. Diese seien sehr wahrscheinlich dem Ausbruchsstamm zuzuordnen, der seit Januar 2009 zu Infektionen und Todesfällen in der Frühgeborenen-Station des Klinikums Bremen-Mitte geführt hat. Eine genaue DNA-Analyse sei in ca. zwei Wochen zu erwarten.

Aufgrund der möglichen hohen Bedeutung dieser Informationen für die Arbeit des Untersuchungsausschuss und die aktuell laufenden Anhörungen ist es dringend erforderlich, diesen Sachverhalt genauer bewerten zu können und dazu nähere Auskünfte zu erhalten.

Wir fragen den Senat: 

1.    Wie viele Dosieranlagen sind am KBM in Betrieb?

2.    Welche Bereiche des KBM wurden mit Desinfektionsmittel gereinigt, das aus der verkeimten Dosieranlage stammt?

3.    Welche Flächen werden mit dem Desinfektionsmittel aus der Dosieranlage gereinigt? Nur die vom Reinigungsdienst gereinigten oder auch die vom Pflegedienst zu reinigenden Flächen? Welche sind das jeweils?

4.    Wann wurde die Anlage in Betrieb genommen?

5.    Wem gehört sie?

6.    Handelt es sich bei allen Dosieranlagen am KBM um das Modell Henkel DG3, wie auf Radio Bremen gezeigt? Bei welchem Anbieter wurde die Anlage erworben?

7.    Wer ist für die Wartung der Dosieranlage zuständig? Wie oft findet sie statt?

8.    Seit wann wird am KBM generell mit diesen Anlagen gearbeitet?

9.    Finden regelmäßige Kontrollen der Dosieranlagen statt? Durch wen?

10.  Von wem wird das Reinigungskonzentrat bezogen? Handelt es sich dabei um microbac forte oder auch um andere Fabrikate?

11.  Werden die Desinfektionsmittelspender für die Händehygiene auch aus Dosieranlagen gespeist, oder wird das Desinfektionsmittel dafür fertig bezogen? Handelt es sich dabei um Nachfüll- oder um Einwegspender?

12.  Wird für die Reinigung durch einen Desinfektor ebenfalls das Desinfektionsmittel aus der Dosieranlage verwendet?

13.  Werden die Desco-Wipes-Eimer ebenfalls aus der Dosieranlage befüllt? Wenn nicht, womit dann?

14.  Werden alle Eimer der vier-Eimer-Kombination der Reinigungswagen mit dem Desinfektionsmittel aus den Dosieranlagen befüllt?

15.  Welche Konzentrationen sind am Dosiergerät voreingestellt und von wem wird die Konzentration eingegeben? Welche Wahlmöglichkeit besteht bei der Benutzung?

16.  Welche Daten werden im Betriebsdatenspeicher des Geräts gespeichert und über welchen Zeitraum?

17.  Bei welcher Konzentration der Desinfektionslösung werden Klebsiellen oder ESBL-Klebsiellen

a.    in der Desinfektionslösung zuverlässig getötet

b.    bei der Flächendesinfektion auf den zu desinfizierenden Flächen zuverlässig getötet?

18.  Kann ausgeschlossen werden, dass Desinfektionsmittel in zu geringer Konzentration verwendet wurde? Wenn ja, weshalb kann das ausgeschlossen werden?

19.  Welche Anweisungen hat das Personal, das die Dosieranlage benutzt, hinsichtlich der zu verwendenden Konzentration? Wo sind diese Anweisungen dokumentiert? Wie wird ihre Einhaltung kontrolliert?

20.  Wofür ist hinsichtlich der Flächendesinfektion und der dafür verwendeten Geräte die Reparaturwerkstatt des KBM zuständig, wofür die Fa. Bode?

21.  Was spricht dagegen, dass die Verkeimung des Frischwasserschlauchs durch eine Kontamination aus dem Leitungswasser bewirkt wurde?

22.  Wie kann eine Kontamination des Schlauchs sonst bewirkt worden sein?

23.  Ist es möglich, dass durch verkeimte Eimer eine Rekontamination der Dosieranlage erfolgt ist?

24.  Warum hat der Senat die Fraktionen und die Mitglieder des Untersuchungsausschusses nicht unverzüglich über die Einladung zur Pressekonferenz und über die neuen Befunde informiert?

Claudia Bernhard, Peter Erlanson, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE

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